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Unruhe am Abu Ramada
Das Riff braucht unsere Hilfe

Hurghada am Roten Meer ist den meisten Tauchern ein Begriff. Selten werden Riffe so stark betaucht wie diejenigen vor dem bekannten Badeort. Und trotzdem vermögen sie immer noch zu begeistern, aber Schutz ist dringend nötig.

Der wohl erstaunlichste Tauchspot bei Hurghada ist das Gota Abu Ramada. Vor der Südspitze der gleichnamigen Insel erhebt sich auf einem Sandplateau das Ovale Riff und reicht von knapp unter der Wasseroberfläche bis auf 14 Meter Tiefe. Der feine weisse Sandboden rund um das Saumriff sorgt für spezielle Lichtverhältnisse. Die Ankerplätze liegen an der westlichen Längsseite, im Strömungsschatten der von Osten her wirkenden Drift. Nördlich und südlich davon befinden die einfach zu betauchenden Tauchspots.

Fantastische Artenvielfalt
Die schöne Unterwasserlandschaft und die gewaltige Artenvielfalt an Korallen, Fischen und Kleinstlebewesen scheint noch in Takt zu sein und gleicht einem Aquarium. Die südlich gelegenen Ergs (Korallentürme) sind bunt mit Weich-, und Lederkorallen bewachsen und bieten dem Unterwasserfotografen eine reiche Auswahl an Sujets. Am nördlichen Riff sind mit Spalten und Höhlen versehene Felsblöcke zu bewundern. Die im Strömungswasser liegende Aussenseite strotzt von Bewuchs aller möglichen Steinkorallenarten.

Damals, als alles noch anders war
Wer das Tauchgebiet aus seit den Anfängen kennt, hat längst bemerkt, dass sich das Riff verändert hat. Wo sind die grossen Schwärme von Maskenfaltefischen mit weit über hundert Tieren geblieben? Auch die Wimpelfische und Schnapper sind verschwunden. Riffhaie oder Leopardenhaie sind schon lange nicht mehr zu sehen. Früher gab es am Abu Ramada keinen Tauchgang ohne Begegnung mit Napoleons, Schildkröten oder Kraken. Heute ist es umgekehrt. Selten trifft der Taucher diese Lebewesen. Zudem wirken viele Tiere nervös und verstört.

Chaos am Riff
Das recht kleine Riff wird täglich von übermässig vielen Tauchbooten angefahren. Dazu ankernnochmal soviele Schiffe mit Schnorchlern oder Badegästen. Auf den ersten Blick scheint es, als ob das Ökosystem mit dieser Belastung fertig wird, doch der Schein trügt! Kreischend springen Badende von den Booten ins Wasser. Auf einem anderen Boot wird gerade grölend eine bestandene Tauchprüfung gefeiert. Schiffsirenen dröhnen und die Bootsführer schreien sich ihre Kommandos zu. Über dem Wasser herrscht ein gewaltiger Lärm. Ähnliches trifft der Taucher unter Wasser an. Rütteln, Klopfen, Dröhnen und Tonsignale von den Guides an die Tauchgäste. Gruppen von nicht selten zehn Tauchern versuchen strampelnd dem Führer zu folgen. Ein Gruppenbild am Süsslippenfelsen ist die Ursache für eine grosse Sandverwirbelung. Immer wieder ist unter Wasser das Aufschlagen der ins Wasser springenden Badenden zu hören und jedes Mal flüchtet sich eine Wolke verängstigter Rifffische in die schützenden Korallenstöcke. Das Ganze wird umrahmt vom Getöse der zahlreichen Bootsmotoren.

Massnahmen sind dringend nötig
So darf es doch nicht weitergehen! Schutzmassnahmen sind dringend notwendig.
Kreischende Badegäste gehören nicht in die sensiblen Riffkomplexe! Schnorchler sollen, wie die Taucher, eine fundierte Ausbildung durchlaufen und nur mit dem entsprechenden Ausweis in den Riffen schwimmen dürfen. Nur wer die Natur kennt, weiss sie zu schätzen und somit auch zu schützen. Die HEPCA (Riffschutzorganisation) und andere entsprechende Organisationen sind gefordert, den Missständen entgegen zu wirken, damit am Gota Abu Ramada wieder Ruhe einkehrt.

Robi Wyss