Publikation
Der Atlantik im Algarv
Ein Naturparadies von unbeschreiblicher Vielfalt.
Ein gewaltiger Ozean und als Tauchgebiet nur wenig bekannt. Dieses Meer ist von seiner Beschaffenheit her ein einzigartiger Lebensraum.
Al Gharb
So nennt sich der westlichste Punkt Europas in seiner Urbenennung und bedeutet „der Westen“. Der Algarve, oder wie heute mehr bekannt, „die Algarven“, beschreibt die Westküste Portugals. Diese zieht sich von der spanischen Grenze am Fluss Rio Guandiana im Osten, bis zum Capo de Sao Vincente im Westen. Der Algarve teilt sich sehr markant bei Faro, dem Hauptort der Westküste. Die östliche Seite ist geprägt von gewaltigen Sandbänken und Dünen, hingegen sich nach westen eine schroffe Küste mit bis zu 60 Meter hohen Steinklippen aufbaut.
Spezielle Verhältnisse
An der Westküste Portugals vermischt sich das Wasser des Atlantiks, mit dem des Mittelmeeres, welches durch die Strasse von Gibraltar gepresst wird. Kalte und warme Strömungen und gewaltige Mengen an Nährstoffen aus Zooplankton und Phytoplankton schaffen ideale Verhältnisse für die Tierwelt im Atlantischen Meer. Stetig schlägt die Brandung an die Küste und sorgt für die Aufnahme von Sauerstoff im Wasser. Durch die unermüdliche Umwälzung ist das Wasser oft trüb. Sichtweiten über zehn Meter sind daher nur sehr selten. Der gewaltige Artenreichtum hingegen macht das Tauchen im Atlantik zum besonderen Erlebnis. Am Algarve lässt sich in der Tierwelt ein interessantes Phänomen beobachten. Auswanderer aus dem gemässigten Mittelmeer, Zuwanderer aus dem hohen Norden des Atlantiks und Tierarten, welche über Jahrzehnte hinweg, als Jungbrut, im Brack, - und Ballastwasser von grossen Schiffen aus tropischen Gewässern in dieses Meer gelangten, haben sich zu einer bunten Schar angesiedelt. So ist man doch sehr überrascht, beim Tauchen plötzlich einen blauen Drückerfisch vor sich zu haben, welcher ja eher im Roten Meer oder Indischen Ozean lebt. Auch sind bereits in gerade nur vier Meter Tiefe rote Gorgonienfächer zu bestaunen, welche eher im Mittelmeer heimisch sind.
Was lebt im Atlantik
Typisch für den Atlantik sind die Wachsrosenfelder und Blasentangwälder. In diesen Habitaten verbirgt sich die juvenile Tierwelt. Vom Sägebarsch bis zur Seenadel ist alles möglich. Immer wieder sind Drachenköpfe zum Teil von beachtlicher Grösse zu entdecken. Auch Sepien und Oktopusse fühlen sich im Unterschlupfreichen Bewuchs wohl. Da wo Algen und Schwämme die Felsen bewachsen, sind auch viele bunte Nackt, - und Hinterkiemenschnecken zu Hause. Das Betauchen eines vorgelagerten Riffes mit entsprechendem Drop off ist von besonderem Reiz. Das Wasser ist bis zur Sprungschicht, deren Tiefe sich nach Temperatur und Wellengang richtet, durchsetzt mit viel Plankton. Darunter klart es auf und lässt die Schönheit der maritimen Unterwasserwelt des Atlantiks zum Vorschein kommen. Hier wo die Felsen durchbrochen sind ist die Heimat der Congeraale und Muränen. Langusten, Spinnenkrabben und Kraken bereichern die Tierwelt. Seesterne und Seeigel sind von stattlicher Grösse und bei jedem Tauchgang in beachtlichen Mengen anzutreffen.
Die häufigsten Fischarten des Atlantiks vor Portugals Westküste sind:
Blaubarsch (Anchova)
Rotbarsch (Cantarilho)
Wolfsbarsch (Robalo)
Goldbrasse (Dourada)
Streifenbarbe (Salmonete)
Drachenkopf (Rascasso)
Seezunge (Linguado)
Rochen (Raja)
Aale (Enguia)
Kalmare (Lula)
Kraken (Polvo)
Sepia (Sepia)
Gerade hier vor Portugals Westküste ist der Atlantik sehr Fischreich. Und bei jedem Tauchgang trifft man immer wieder auf mehrere der obgenannten Vertreter.
Besondere Wetterbedingungen
Wer glaubt, dass der Atlantik, seiner rauen Art wegen ein düsteres und dunkles Gewässer ist der irrt sich gewaltig. Bei über 3000 Sonnenstunden im Jahr kann mit idealen Lichtverhältnissen gerechnet werden. Alles ist jedoch nicht vom Licht abhängig, sondern vom Wind. Weht dieser aus Norden, so ist das Meer ruhig und klart auf. Dreht der Wind hingegen nach Süden, wird die Brandung gefährlich stark und es kommt zu heimtückischen Strömungen welche vom Land weg ins offene Meer verlaufen. Diese Wasserbedingungen sind schon manchem guten Schwimmer zum Verhängnis geworden. Es empfiehlt sich deshalb immer die Ortsansässigen Fischer nach den Wetterbedingungen zu fragen und diese dürfen auf gar keinen Fall missachtet werden auch wenn die Sonne noch so stark vom Himmel lacht. Wetteränderungen kommen an dieser Küste schlagartig vor. Wird bei Südwind das Wasser trübe und verhindert das Tauchen, dann bleibt Zeit, für die Entdeckung der faszinierenden Felsenküste des Algarve.
Reizvolle Gegend
Über Jahrtausende hinweg hat der Wind und das tosende Meer die Felsenküste ausgewaschen und entsprechend geprägt. Skurilste Felsenbilder sind daraus entstanden und verleihen dieser Küste den so eigenen Charakter. Viele Seevögel nutzen die ungestörten Verhältnisse, um hier ihre Jungen aufzuziehen. Das Meer bietet reichlich Nahrung und ermöglicht den Jungvögeln das Jagen und Beute machen zu erlernen, bevor sie sich bei Einbruch der Winterszeit auf die weite Reise nach Süden machen.
