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20 m2 Mittelmeer

Auf den ersten Blick schien der Meeresboden ziemlich leblos und öde, doch beim genaueren Hinsehen wuchs die Begeisterung immer mehr.

Ein grossartiger Lebensraum
Wir konzentrierten uns bewusst auf eine Meeresbodenfläche von etwa 20 m x 20 m. Leichte Hanglage bestehend aus Geröllhalde, durchbrochen mit einigen Felsbrocken auslaufend in Sandboden. Der Bereich befand sich in einer Tiefe von 14 m – 21 m. Leichter Bewuchs aus Algen, viele kleine Unterschlupfe unter den Felsbrocken und dazu der feinsandige Meeresboden anerbot sich uns als idealer Entdeckungsbereich für interessante Tauchgänge über einem grandiosen Lebensraum für eine Vielzahl mediteraner Lebewesen.

Fantastische Artenvielfalt
Die so karg wirkende Unterwasserlandschaft erwies sich als Tummelplatz für einen gewaltigen Artenreichtum an Pflanzen, Fischen und Kleinstlebewesen und schien voll in Takt zu sein. Die am Hang liegenden Felsbrocken waren bunt mit Schwämmen und Algen bewachsen und boten ein Eldorado für die Unterwasserfotografie. Auf dem Substrat verrieten viele Spuren die Verstecke der im Sand lebenden Meerestiere.

Schrott als Behausung
Die vor Ort lebenden Meerestiere waren beim Aussuchen der Behausung nicht wählerisch, da in allen möglichen, ins Meer geworfenen Gegenstände menschlichen Wohlstandes, ein idealer Unterschlupf gefunden wurde. Ein Eisengewicht welches als Bojensockel diente, erweckte unser Interesse als erstes, da sich in dessen Loch etwas bewegte. Aus der Vertiefung äugte uns ein Oktopus entgegen. Die natürliche Neugier des Tieres machte uns das Spiel mit dem Tier zum echten Vergnügen und wir beschäftigten den Achtarmigen so lange bis er aus seinem Versteck herauskam und sich in seiner vollen Pracht präsentierte. Einige Meter weiter entdeckten wir eine Schleifspur im Sand. Wir folgten ihr und da sahen wir auch schon, wer diese gelegt hatte. Ein Knurrhahn, auf der Suche nach Nahrung, spazierte mit seinen hahnenfussähnlichen Brustflossen über den Sandgrund. Der sehr scheue Fisch ergriff bei unserem Näherkommen sofort die Flucht, indem er seine schönen fächerartigen Kiemenflossen wie Flügel ausbreitete und davon segelte. Ein alter Autoreifen erweckte unser Interesse, darin fanden mehrere kleine Drachenköpfe ihren Unterschlupf. Unweit davon hatte es sich ein kleiner Schleimfisch in einer aufgeschnittenen Petflasche gemütlich eingerichtet.

Faszination im Makrobereich
Allmählich tauchten wir zum steinigen Bereich und konnten schon zwei weitere interessante Bewohner beobachten. Zwei Schnecken der Art Pleurobranchus testudinarius Cantraine hatten sich zur Paarung getroffen und setzten ihr kunstvolles Eigelege auf den Meeresgrund ab. Zwischen den Steinen hielt sich viel Leben verborgen. Seesterne, Haar und Federsterne versteckten sich hier, da diese nachtaktiven Tiere das Tageslicht mieden. Nun zog uns der felsige Teil des Habitates in seinen bann. Hier gab es viel zu entdecken, man musste nur genau hinsehen. Kleinstlebewesen von graziöser Schönheit suchten die mit Algen und Schwämmen bewachsenen Felsenen nach fressbarem ab. Kleine Fadenschnecken, Eisseesterne, Borstenwürmer farbige Plattwürmer Röhrenwürmer, welche mit ihren bunten Spiralfächern nach Plankton fischten und unzähliges mehr. Die Felsen leuchteten in allen möglichen Farben und in jedem loch war irgend ein kleines Lebewesen zu Hause.

Viele Fischarten
Bald fanden auch die vielen Fische Zutrauen und machten es uns möglich, dem emsigen Treiben etwas genauer zuzuschauen. Die Mönchsfische waren gerade mit ihrer Paarung beschäftigt. Die Männchen verteidigten aggressiv ihren ausgewählten Laichplatz, die Meerbarben wühlten auf der Suche nach fressbarem im Sand um die Wette, die Mittelmeerjunker zog aufmerksam über den Grund um blitzschnell eine sich zeigende Beute zu ergattern und die Gelbstriemenbrassen frassen im Schwarm die Algenweiden leer. Die Sattelfleckbrassen erwiesen sich als die zutraulichsten und äugten uns neugierig in die Tauchbrillen. Die Schollen glitten gespenstisch über den Grund und machten sich buchstäblich aus dem Staub.

Faszinierende Tauchgründe fast vor der Haustüre
Wir haben nochmals vier Tauchgänge am gleichen Ort gemacht und jedes Mal gab es wieder neues zu entdecken. Unsere Tauchgänge dauerten jedes Mal über 80 Minuten und wir waren immer erstaunt über die Artenvielfalt auf so engem Raum. Es gäbe eine lange Liste, um all die vielen Lebewesen aufzuzeichnen und einige konnten wir in den Bestimmungsbüchern gar nicht finden. Es muss nicht immer ein tropisches Meer sein, welches man nur durch langes Reisen erreichen kann. das Mittelmeer bietet in all seiner Vielfalt absolut sehenswerte Lebensräume und liegt mit nur etwa 5 Stunden Anreisezeit für uns fast vor der Haustüre.

Robi Wyss