Krimi


Schreie der Verzweiflung
Schon lange hatten wir uns auf den Urlaub im weit, von der hektischen Umwelt abgeschiedenen Resort, auf der verträumten kleinen Insel Ko Mashumi im Thailändischen Meer gefreut.
Nun endlich konnten wir ins glasklare Wasser zu den bunten Fischen, über dem üppig bewachsenen Korallenriff abtauchen.

Zerstörter Frieden
Es waren drei herrliche Inseltage vergangen und wir konnten unsere Seele so richtig baumeln lassen und die Erholung geniessen. Wir sonnten vor unserem Bungalow auf d3en gepolsterten Liegen und dösten im leisen Rauschen der Brandung vor uns hin. Urplötzlich wurde die Stille durch ein panisches Geschrei einer Frauenstimme gestört. Die Laute klangen in Thai und hörten sich weinend und wehmütig an. Meine Partnerin und ich sprangen gleichzeitig wie von einer Wespe gestochen auf die Beine, schauten uns ratlos an und eilten hilfsbereit den lauten entgegen. Bereits hatten sich einige Insulaner und Touristen um die wehklagende Frau versammelt. Sie kniete im knöcheltiefen Wasser, presste ein rotes T-Shit an sich und versuchte den Anwesenden hektisch etwas zu erklären. Immer wieder hob sie das rote Kleidungsstück in die Höhe. Einer der Insulaner arbeitete auf der Tauchbasis und sprach gebrochen Englisch. Er teilte uns mit, was vorgefallen war.

Die schnelle Suchaktion
Die Frau suchte schon seit dem frühen Morgen ihren fünf jährigen Sohn und dessen sieben jährige Schwester. Bei der Suche dem Strand entlang, fand sie das rote Leibchen treibend , in den ans Ufer rollenden Wellen. Es war das Shirt ihres kleinen Mädchens. Nun vermutete sie natürlich, dass den Kindern etwas schreckliches zugestossen sein musste. Wir rannten zur Tauchbasis, informierten Mike den Zentrumsleiter und beschlossen mit allen anwesenden Tauchgästen und Guides einen Rettung, - und Sucheinsatz zu starten. In kürzester Zeit hatten sich neun Taucher und fünf Angestellte der Basis zu einer Helfertruppe organisiert. Verteilt auf drei Boote, ausgerüstet mit Tauchequippement , wurde die Suche in Angriff genommen.

Besorgniserregender Fund
Langsam liessen wir uns zu zweit, an einem Seil festhaltend, hinter dem Boot nachziehen und suchten, ausgerüstet mit Tauchbrille und Schnorchel, so über die Riffe gleitend den Meeresgrund ab. Es vergingen gute dreissig Minuten, als meine Partnerin das Seil losliess und sich zur Wasseroberfläche aufrichtete. Sie setzte die Signalboje, das Boot kehrte zu ihr zurück und setzte sofort Anker. Sie glaubte mit Sicherheit, in einer überquerten Spalte etwas hellblaues gesehen zu haben. hellblau war den Angaben der verzweifelten Mutter nach das T – Shirt des vermissten Jungen. Wir rüsteten uns mit dem Tauchgerät aus und begannen die gründliche Suche nach der vermeindlichen Riffspalte. Es vergingen nur wenige Minuten und schon fanden wir tatsächlich das Kleidungsstück hängend über einem Korallenstock. Kreisend suchten wir den Korallengrund weiter ab. Es war höchst schwierig, in den zum Teil tiefen Verästelungen den nötigen Einblick zu gewinnen. Unsere Finimeter mahnten zum auftauchen. Wir schwammen zügig zum Ankerseil zurück und begannen den Aufstieg. Plötzlich erweckte ein kurzes Glitzern meine Aufmerksamkeit und ich tauchte erneut zum Meeresgrund zurück. Unweit des Ankers lag ein Mädchenturnschuh leicht schwankend im Sand. Am Schuh waren kleine Pailletten angenäht, welche im Sonnenlicht reflektierten. Ich griff nach dem Turnschuh und tauchte endgültig auf. In Zwischenzeit hatte unser Bootsführer per Funk die Basis informiert und das Fundgebiet wurde nachträglich nochmals gründlich abgesucht wobei die Sandalen des Jungen noch zum Vorschein kamen. Die beiden Kinder jedoch blieben spurlos verschwunden. Hier musste etwas mysteriöses vorgefallen sein. Wären die Kinder im Meer ertrunken, hätte man sie doch sicher in den Kleidern gefunden. Hätten sich Raubfische über sie her gemacht wären deren Bissspuren an den Kleidungsstücken zu erkennen gewesen. Die örtliche Küstenwache wurde über den Vorfall informiert und die Fundstücke wurden zur Überprüfung abgegeben.

Seltsames Boot
Die Lage auf der Insel beruhigte sich wieder etwas, doch der Vorfall und das erlebte war stets Hauptthema unserer Gespräche. Man rätselte weiter nach einer Lösung. Am Tag darauf kamen Fischer von der Nachbarinsel und erzählten von weiteren gleichartigen Vorfällen und Vermistmeldungen.
Wir hatten uns für den zweitägigen Turn mit Nachttauchen eingeschrieben und erlebten fantastische Tauchgänge und einen alles überbietenden Nachttauchgang in der kleinen Bucht vor der dicht bewaldeten Insel Ko Haghashina. Wir hatten es uns auf Deck gemütlich gemacht und genossen unseren späten Schlummertrunk am windgeschützten Ankerplatz hinter dem grossen Lavafelsen. Von weit her erklang plötzlich eindumpfes Klopfgeräusch eines typisch Thailändischen Transportbootes. Unser Kapitän machte uns klar, dass das Erscheinen eines solchen Bootes sehr ungewöhnlich sei, da die Insel wirklich nur von Tauchbooten angefahren werde. Das Fischen sei ja im Naturpark sowieso verboten. Wir löschten alle Lichter an Bord und warteten das Näherkommen des Kahnes ab. Im fahlen Licht des Mondes erschien ein, mit einem Strohdach bedecktes, langes Boot auf dessen sich einige Männer lauthals unterhielten und schallend lachten.

Dunkle Verfolgung
Unser Kapitän wollte gerade Entwarnung geben und das Licht wieder andrehen, als auf dem vorbeituckernden Kahn ein Kind zu weinen begann. Kurz darauf ertönten klatschende laute und weitere schreiende Kinderstimmen. Uns schoss das Adrenalin in den Körper und es war uns allen klar, die vermissten Kinder müssen auf dem Boot sein. Sofort machten wir unser Schiff startklar und wir verfolgten, um keinen verdacht zu wecken, im Dunkel und mit genügend grossem Abstand das Strohhüttenschiff. Das Kreuzen, in dem mit Untiefen und Riffblöcken durchsetzten Wasser ohne Licht, war äusserst schwierig und gefährlich, doch unser Kap hatte die Lage sehr gut im Griff. Wir bogen langsam, um einen, der Insel vorgelagerte Felskante und hörten, dass das Boot mit den Kindern den Motor drosselte. Unser Schiff stoppte und wir bekamen zu sehen, was wir befürchteten.

Befürchtete Wahrheit
Das Kinderschiff drehte zu einem vor Anker liegenden, grossen Fischereitrowler bei. Dieser stand treibend im Dunkel der Nacht, ohne die Positionslichter eingeschaltet zu haben. Zum Glück stampften die schweren Diesel des Kahns so laut, dass niemand unser Nahen hören konnte. Inzwischen hatte das kleine Hüttenboot am heruntergelassenen Steg festgemacht und es begann reges Treiben auf den beiden Schiffen. Wieder vernahmen wir weinende Kinderstimmen. Unser Kapitän beobachtete durch sein Nachtsichtfernglas, dass von Bord des Hüttenbootes neun Kinder, gegen Geldscheine auf den Fischtrowler übergeben wurden. Uns war längst klar geworden, dass hier ein dreckiges Geschäft mit Menschenhandel vor sich ging. Unser Kapitän hatte das Tauchboot so geschickt zum nahen Felsen manövriert, dass wir nur noch den Bug mit der vorhandenen, dunkelblauen Plane abdecken mussten und somit waren wir für die Gauner unsichtbar. Schon brauste der Hüttenkahn wieder davon. Wir befürchteten dass das grosse Schiff nun auch das Weite suchte, doch dieses blieb weiter auf Position.

Listiges Unterfangen
Wir überlegten uns, wie wir das Kinderschiff am Auslaufen hindern konnten. Heiko unser Tauchguide war in jungen Jahren bei der Bundeswehr als Marinetaucher tätig und hatte in dieser Hinsicht einige Erfahrung. Zwei Tage vor unserem Ausflug hatte er mit dem Tauchboot Bojenkontrollen durchgeführt und deswegen befand sich noch Reparaturmaterial an Bord. Die Hebesäcke, das Bojennetz und die vielen Seile und Ketten, waren genau das richtige Material welches wir brauchten. Wir beschlossen, zusammengeknüpfte Seile und Ketten unter den Bug des Trowlers zu transportieren, diese in die Nähe der Antriebsschraube zu bringen, so dass sich beim drehen des Propellers das Wirrwarr in der Antriebswelle verwickelt und das Schiff am Auslaufen hindert. Wir hatten alles im Transportnetz verstaut, an die Hebesäcke gehängt und mit einem langen Seil verbunden. Der sportliche Heiko und der Tauchlehrer Werner übernahmen nun die Aufgabe, die bis knapp unter die Wasseroberfläche tarierten Hebesäcke, links und rechts des Kinderschiffes zu ziehen und zu positionieren. Die Banditen an Bord fühlten sich sicher, denn sie hatten glücklicherweise keine Wachposten aufgestellt. Unsere schleppenden Taucher konnten somit unbeobachtet das lange Seil quer unter den Bug des Schiffes legen und wieder in unsere Richtung zurück tauchen. Wir erschraken, als wir ein erneutes Nahen eines Hüttenbootes vernahmen.

Die Attacke
Unsere Leute waren noch nicht zurück und schon konnten wir das Boot sehen. Rasant drehte der Lastenkahn zum Trowler bei und erneut wurden Kinder umgeladen. Erleichtert vernahmen wir das Blubbern der Atemblasen bei unserem Boot. Leise halfen wir den Tauchern ins Tauchschiff zurück und machten alles startklar. Der Kapitän startete den Motor und mit Vollgas machten wir uns aus dem Staub. Das aufheulen unseres Bootsmotores machte die Banditen aufmerksam und es kam auf dem grossen Kahn Leben in die Bude. Auf dem Fischtrowler flammten zwei grosse Suchscheinwerfer auf, deren Lichtstrahlen wie Geisterfinger die Wasseroberfläche abtasteten. Das Hüttenboot hatte gewendet und schoss mit Höchsttempo in unsere Richtung Kaum wurden wir vom starken Licht der Strahler erfasst, ertönte das klatschende Geräusch einer Kalaschnikov. Zirrend zischten die Gewehrkugeln haarscharf an unserem Bot vorbei und liessen die Wasseroberfläche mit kleinen Fontänen aufreissen. Geistesgegenwärtig griff unser Kapitän in die Notfallkiste, holte eine Leuchtpistole hervor und feuerte eine rote Leuchtpatrone in die Richtung der Scheinwerfer. Das Licht der Leuchtrakete war so grell, dass der schiessende Bandit, geblendet sein Ziel bei weitem verfehlte. Die stattliche Motorisierung unseres Tauchbootes ermöglichte uns schliesslich die Flucht ins Dunkel der Nacht. Per Funk alarmierte unsere Crew die Küstenwache.

Vereitelte Flucht
Der Trowler drehte die schweren Schiffsmotoren auf volle Last und wollte sich eiligst davon machen. Durch die Sogwirkung der Turbinen ging Heikos Plan auf. Ein lauter Knall durchfuhr das schwere schiff, als der Propeller von den Seilen und Ketten blockiert wurde. Der Kahn trieb manövrierunfähig im Küstennahen Wasser. Als die Küstenwache vor Ort ankam, war das Fischfangschiff auf einem Riff gestrandet. An Bord entdeckten die Polizisten in einem Laderaum lediglich eine Schar verstörter, halbnackter und weinender Kinder. Die Banditen hatten sich mit dem Beiboot aus dem Staub gemacht. Diese wurden jedoch kurz nach unserem Hilferuf von der fliegenden Küstenwache aufgespürt und festgenommen.



Die Klärung des Verbrechens
Bei Verschleppung der Kinder wurden die Kleider der Kleinen ins Meer geworfen, damit der Glaube an ein Ertrinken aufkommen sollte. So hatten die Gauner genug Zeit, die Kinder zum Trowler zu schaffen. Die entführten sollten an einen Kinderbordell in Bankock verkauft werden. Kurze Zeit später konnte ein grosser Kinderporno – Ring zerschlagen werden. Es wurden weltweit eine grosse Anzahl Verhaftungen vorgenommen. Die Kinder konnten wohlbehalten wieder an ihre überglücklichen Eltern übergeben werden.