Krimi


Menschenhaie vor Kuba
Schon wieder erzählte mir ein Fischer vom massenhaften Haibestand im Kanal zwischen den beiden kleinen Inseln, 14 Seemeilen abseits der Schifffahrtsroute.
Da Kuba nicht gerade gesegnet war mit Haifischspots, erstaunten mich diese Schilderungen. Ich beschloss baldmöglichst zum Kanal hinauszufahren. Es war für unsere Tauchbasis von grosser Wichtigkeit, neue und interessante Spots zu finden, um den Ansprüchen unserer Tauchgäste gerecht zu werden. Mohamed unser Mechaniker hatte gerade wenig Arbeit, deshalb bat ich ihn, mich auf unserem kleinen Lastenboot zu begleiten. Das umgebaute Fischerboot war langsam, doch die See verhielt sich ruhig und wir kamen zügig zum Kanal.
Haiattacke über Grund
Wir hatten kaum den Anker auf Grund, umkreisten schon zwei kleinere Weissspitzenriffhaie unser Schiff. Dies erschien mir doch sehr merkwürdig und ich beschloss einen Tauchgang zu den Haien zu unternehmen obwohl mich Mohamed davon abhalten wollte. Unter dem Boot waren es 18 m Tiefe und ich liess mich sachte am Ankerseil absinken. Bereits waren noch mehr Haie, nun auch grosse graue Riffhaie und ein Hammerhai dazugekommen. Die Tiere umkreisten mich neugierig und zeigten keinerlei Scheu. Ein grosser Grauer löste sich aus dem Rudel und schoss zielstrebig auf mich zu. Ich wehrte ihn mit einem Flossenschlag ab und suchte Schutz im nahe gelegenen Riff. Jetzt wurde es mir nun doch recht mulmig, denn auch die anderen Räuber wurden immer angriffiger. In mitten des Gewimmels sah ich zu meinem Entsetzen, dass der Anker hochgezogen wurde und vernahm gleichzeitig Motorengeräusch. Warum machte sich Mohamed aus dem Staub, - oder wollte er mit dem Boot die Haie vertreiben? Vorsichtig und immer die wilden Biester abwehrend, tauchte ich im Schutz der Riffblöcke an der kleinen Insel auf. Von unserem Boot war nichts mehr zu sehen.
Grausamer Fund
Ich deponierte meine Tauchausrüstung unter einem Gebüsch am Strand und schaute mich auf dem Eiland um. das surren eines Kompressors machte mich neugierig und kurz darauf entdeckte ich im dichten Buschwerk einen Bunker, welcher von einer Eisentüre verschlossen war. Ich drückte gegen die Türe und war erstaunt, dass diese nicht abgeschlossen war. Im Bunker stank es fürchterlich und meine Augen mussten sich erst an das düstere Licht gewöhnen. Mitten im Raum stand ein grosser Tisch aus Chromstahl und darüber hing eine Operationslampe. ich ging wieder zum Eingang und schaltete den Lichtschalter am Türpfosten ein. Ich starrte zu Boden als ich den Schwarm Fliegen aufbrausen sah. Ein Schauder liessen mir die Haare zu Berge stehen und ich musste mich fast übergeben. Eine grosse Blutlache, in der Wattefetzen und Haare lagen, bedeckte den steinernen Boden.
In der Ecke standen drei hochmoderne Kühlschränke. Ich öffnete einen davon und erschrak! Hier lagerten Plastikbeutel, Glasgefässe und spezielle Kunststoffboxen deren Innhalt aus Organischem Material bestand. So wie ich es beurteilte mussten es Menschliche Organe sein. Auf dieser abgelegenen Insel geschah schreckliches. Hier her wurden Menschen ermordet und anschliessend ihrer Organe beraubt. Bestimmt wurde damit illegaler Organhandel betrieben. Wahrscheinlich wurden die sterblichen Überreste ins Meer geworfen um die Beweismittel wegzuschaffen. Deshalb existierten die derart grossen Haibestände im Kanal.
Die Befreiung
Hatte Mohamed etwa mit diesen Morden zu tun, oder wurde er gar ein selbst ein Opfer? Die Lösung musste auf der gegenüber liegenden Insel zu finden sein. Ich beschloss im Schutze der Nacht den Kanal zu überqueren. Dies war jedoch wegen der gefährlichen Haie nur mit einem Boot möglich, doch ich hatte keines!
Ich schaute mich im Bunker um und die Kühlboxen kamen mir wie gerufen. Ich fand alles was ich zum Bau eines Flosses brauchte. Unter sternklarem Nachthimmel überquerte ich so leise wie möglich den Kanal und gelangte unentdeckt zur Nachbarinsel. Ein Lichtschein verriet mir, dass sich hier Menschen aufhielten. Auf einer Anhöhe stand ein grosses Holzhaus woraus raue Stimmen zu vernehmen waren. Ich schlich mich zum offenen Fenster und sah Mohamed. Er war an einen Stützpfeiler gefesselt und blutete am Kopf. Seine Bewegungen verrieten mir, dass er noch lebte. Am Tisch sassen zwei skurrile Typen, spielten ein Würfelspiel und tranken Rum aus der Flasche. Sorgsam schaute ich mich in der Umgebung nach weiteren Banditen um und stellte beruhigt fest, dass ich es nur mit diesen beiden zu tun hatte. Auf der anderen Seite der Insel entdeckte ich einen Bootssteg wo eine grosse Motorjacht vor Anker lag. Daneben war unser kleines Lastenboot vertaut. Ich holte den Benzinkanister und mein Feuerzeug aus unserem Boot. Der kleine Schuppen vor dem Haus ging in Flammen auf. Schon kam der grössere der Gauner fluchend aus der Tür gerannt. Ich schlug mit dem Kantholz zu, so fest ich konnte und der Hüne ging bewusstlos zu Boden. Der Andere roch den Braten und schon pfiffen mir Pistolenschüsse entgegen. Inzwischen kam Mohamed wieder zu sich, erkannte seine Chance und konnte mit seinen Beinen den abgelenkten Schützen umklammern. Diesen Moment nutzte ich, stürmte ins Haus und verpasste dem Verbrecher einen Schlag mit der Rumflasche auf den Hinterkopf.
Die Aufklärung
Der Morgen dämmerte, als uns das Küstenwachboot entgegenkam. Wir übergaben ihnen die fluchenden Verbrecher zu Verhör. Der Besitzer der Insel, ein gewisser Dr. Charlton, wurde noch am selben Tag in seiner Privatklinik in Havanna verhaftet. Er gestand die Morde an über dreissig Obdachlosen Menschen, welche zur Organentnahme auf die Insel verschleppt und ermordet wurden. Mit Ihm gingen der Polizei sieben weitere am Verbrechen beteiligte Mediziner ins Netz und so konnte einer brutalen Organschmugglerbande das Handwerk gelegt werden.