Krimi
Kidnapping im Ferienparadies
Die plötzlich aussergewöhnliche Hecktick unter dem Personal des neuen Ressorts im Kreddu-Atoll, veranlasste mich, meinen Relax-Sessel zu verlassen und auf der Tauchbasis nach dem Grund zu fragen.
Mit lachendem Gesicht verkündete mir der Tauchgide Samir, dass in diesem Moment hoher Besuch im Ressort eingetroffen sei und die Angestellten deshalb etwas nervös seien. Prinz Alfarin Almar Nasri von Kuwait war für einen Tauchurlaub auf die Insel gekommen. Das halbe Ressort war für ihn und sein Gefolge reserviert und der Aufmarsch an Sicherheitspersonal machte den Aufenthalt auf dem Eiland anfangs etwas ungemütlich. Wir gewöhnten uns doch schnell an ihre Anwesenheit und fuhren sogar mit dem Prinzen zusammen zu den Tauchspots.
Tauchgang mit bösen Folgen
Auf dem Dohni waren wir acht Taucher und ebensoviel Begleitpersonal. Nach dem gründlichen Breafing starteten wir den Tauchgang. Da ich fotografierte zog ich es vor mit meiner Partnerin zusammen den ruhigen flachen Teil des Riffs zu betauchen. Die Anderen tauchten zusammen mit dem Prinzen zum Dropp Off in die andere Richtung. 72 Minuten später befanden wir uns nach einem erlebnisreichen Fotoshooting wieder unter dem Dohni. Beim Auftauchen fiel mir der reglose, ins Wasser ragende Arm auf. Wir durchbrachen die Wasseroberfläche und wurden bereits erwartet. Mit scharfen Zurufen wurden wir unter Bedrohung mit einem Gewehr zur Ausstiegsleiter dirigiert und unsanft an Bord gezerrt.
Unser Kapitän wurde bewusstlos geschlagen und lag regungslos über der Reling. Die beiden Schiffsjungen mussten den Befehlen der fünf bewaffneten Banditen Folge leisten. Wir waren als die letzten Taucher aus dem Wasser gekommen, denn die anderen Taucher und der Prinz lagen schon geknebelt im Dohni. Auch uns wurden unter vorgehaltener Waffe die Hände mit Kabelbinder auf den Rücken gefesselt. Während dessen nahm das Tauchboot volle Fahrt auf und wir umrundeten die kleine Insel. Nun war mir klar, dass wir die Opfer eines Kidnappings wurden. Nach kurzer Fahrt stoppte das Boot und drehte zu einer grossen Motorjacht bei, welche an einer geschützten Stelle der Insel vor Anker lag. Allesamt wurden wir unter hektischem Gedränge ins Unterdeck der Jacht in einen engen Raum eingesperrt. Die beiden Bodyguards des Prinzen fehlten. Einer der Tauchgäste flüsterte mir zu, dass sie mit gezielten Schüssen umgebracht wurden.
Von den Fesseln erlöst
Inzwischen nahm das Schiff Fahrt auf und die Entführer waren beschäftigt.
Allmählich wurde es uns in den nassen Tauchanzügen unbequem und die Handgelenke schmerzten. Ich entdeckte, dass meine Partnerin an ihrem Unterschenkel noch das kleine Tauchermesser umgeschnallt hatte. Mit meiner Nasenspitze konnte ich den Halteknopf eindrücken, so dass einer der Tauchgäste mit seinen Zehen das Messer aus der Halterung ziehen konnte. Es gelang uns, die Fesselung zu durchtrennen. Nun galt es die Gaunerbande zu überwältigen. Wir setzten uns wieder so, als ob wir gefesselt wären und täuschten unter lautem Gestöhne Seekrankheit und Erbrechen vor. Die Türe wurde aufgeschlossen und zwei der Peiniger traten in den Raum. Der Erste bedrohte uns mit seinem Gewehr und der Andere stellte zwei Eimer Wasser auf den Kabinenboden.
Der Befreiungskampf
Das Schiff schaukelte im Wellengang und dies nutzte ich zum Überraschungsangriff. Ich verpasste dem bewaffneten einen satten Tritt gegen das Gewehr, so dass es ihm aus den Händen glitt und folgend einen Faustschlag in den Unterleib. Meine Partnerin riss die Flinte an sich und verpasste dem Entführer mit dem Gewehrkolben den KO – Schlag. Gleichzeitig überwältigten zwei Taucher den Wasserträger und hielten ihn im Würgegriff fest. Sofort herrschte wieder Ruhe im Raum. Zum Glück hatte das Geräusch der Motoren die Keilerei übertönt. Wir schlichen uns der Reling entlang zum Vorschiff und postierten uns jeweils auf einer Seite des Eingangs zum Salon. Zwei der Kidnapper sassen am Tisch, prüften ihre Waffen und der verbleibende Dritte steuerte die Jacht. Wir schmissen einen Pfänder in den Raum und erwarteten die Banditen. Wie geahnt, sprintete der Eine, mit vorgehaltener Pistole aus der Türe. Wir packten zu und liessen ihn mit Schwung über Bord segeln. Nun hatten die beiden Anderen den Ernst der Situation begriffen. Der Kapitän drosselte sofort die Motoren und kam auf das Unterdeck. Der wendige Prinz schlich sich vom Heck her zur Backbordseite und kletterte an der Aussenwand zur Flybridge hoch. Er hatte sich ein Seil mit einem Enterhaken umgehängt. Wir hatten uns zum Heck zurückgezogen und verschanzten uns hinter dem gepolsterten Sofa. Schon zischten uns die Geschosse um die Ohren. Unter Sperrfeuer des Kapitäns, hechtete der Gewehrschütze auf das Hinterdeck und kam uns gefährlich nahe. Ein Schrei durchbrach die Schiesserei! Der Prinz hatte dem abgelenkten Kapitän den Enterhaken in den Rücken gerammt, brachte ihn mit dem Seil zu Fall und seine Pistole flog über Bord. Nun erkannte der letzte der Gauner, dass seine Lage hoffnungslos wurde, da er seine Munition verschossen hatte. Er ergab sich mit erhobenen Armen.
Die Verhaftung
Die Anderen unserer Tauchergruppe hatten in Zwischenzeit über das Funkgerät in der Kombüse einen Notruf an die Küstenwache abgesetzt und kurze Zeit später schnappten die Handschellen der Polizei um die Gelenke der Peiniger. Die Entführerbande war der Justiz als terroristische Splittergruppe bekannt. Diese wollte die reiche Familie des Prinzen mit einer Lösegeldforderung erpressen um an Geld zur Beschaffung von Sprengstoff und Waffen zu gelangen. der Prinz errang durch sein mutiges Eingreifen Anerkennung und Ruhm in der arabischen Welt. Wir Tauchgäste durften einen weiteren Urlaub auf den Malediven, auf die Kosten der Scheich-Familie verbringen.
