Krimi
Das Geheimnis im Baggersee
Vor 43 Jahren war die Grube ein lärmiger und lebhafter Platz. Hier wurde Lehm abgebaut und ins nahe gelegene Ziegelwerk geführt.
Nun war der Graben mit Wasser gefüllt, ein Ort der Ruhe und ein Lebensraum für allerhand Wassertiere. Der Baggersee war mit seiner Tiefe von 32 m und seinem oft trüben Wasser ein heimtückisches Gewässer und für jeglichen Zutritt verboten, da er sich auf privatem Grund befand.
Geheimnisvolles Leuchten
Es war kurz vor dem Einnachten, als ich auf dem Heimweg am See entlang vorbei marschierte, als mir im Wasser ein kurzes aufflackern eines Lichtes auffiel. Ich blieb stehen und konnte tatsächlich das Licht einer Tauchlampe erkennen. Was bewog jemanden dazu, bei Nacht in dieser trüben Suppe zu tauchen? Obwohl es mich nichts anging, beschloss ich der Sache auf den Grund zu gehen und begab mich auf die gegenüber liegende Seite zum Tor der Grubenanlage. Ich konnte weder ein Fahrzeug, noch sonst etwas verdächtiges ausmachen und im See war auch kein Licht mehr zu erkennen, also begab ich mich wieder auf den Heimweg. Irgendwie beschäftigte mich die Sache doch und ich holte aus dem Bücherregal ein altes Buch über das Gewerbe der Region. Darin war auch die Ziegelei beschrieben und zeigte ein Bild der damaligen Grube. Darauf war ein Betongebäude zu erkennen. Es war das Sprengstoffdepot des Sprengmeisters. Konnte dies etwa das Ziel des neugierigen Tauchers gewesen sein?
Der geheimnisvolle Taucher
Ich ging noch weitere male zum See, um nach dem Taucher Ausschau zu halten und beim fünften mal bestätigte sich meine Vermutung. Der See musste irgend etwas interessantes verbergen, denn erneut konnte ich ein Licht im Wasser sehen.
Diesmal wartete ich geduldig und eine knappe Stunde später durchbrach ein Taucher die Wasseroberfläche. Der Gummimann zog seine Flossen aus, schaute sich prüfend um und marschierte schleunigst zum alten Gebäude des Förderwerks. Weitere 15 Minuten später kletterte der Mann in dunkler Kleidung über den Zaun und verschwand im Dickicht der Büsche. Nun wollte ich es wissen, kletterte ebenfalls über den Maschenzaun und schlich zum Gebäude. Die Wasserspuren verrieten mir den Weg. An der Gebäudewand lehnte ein alter Gerüstladen der ein Schlupfloch verdeckte. Die nassen Fussspuren führten mich im Schein meiner kleinen Taschenlampe zum Förderband. Zwischen alten Ölfässern, verdeckt unter einer schmierigen Plane entdeckte ich seine Tauchausrüstung und mehrere Pressluftflaschen. Hier war doch etwas faul!
Dem Geheimnis auf der Spur
Anderntags erzählte ich meinem Tauchkollegen Peter von meinen Entdeckungen. Peter war Polizeitaucher und natürlich an der Sache brennend interessiert. Um kein Aufsehen zu erregen beschlossen wir, ebenfalls nachts, einen Erkundungstauchgang im Baggersee zu machen. Wir stiegen an einem geschützten, von Büschen verdeckten Ort in den See und liessen uns vorsichtig in die Tiefe absinken. Das Wasser war trüb und im See liegende Bäume machten das Tauchen schwierig. Auf 26 Meter wurde der grund flacher und die Sicht besserte sich. Viel Gerümpel lag unter einer dicken Sedimentschicht und gab der Szene ein mystischer Eindruck.
Mauerreste deuteten darauf hin, dass wir dem Sprengstofflager näher kamen. Schliesslich schwebten wir über dem Eingang des Gebäudes.
Gefährlicher Einsturz
Der Eingang war mit alten Balken versperrt. Es war ersichtlich, dass sich vor kurzem jemand daran zu schaffen gemacht hatte, da auf den Hölzer keine Ablagerungen lagen. Peter schaute mich prüfend an und gab mir zu verstehen, dass er sich im Raum umsehen wollte. Durch das wegzerren der Balken entstand eine Staubwolke und vertrübte die sicht, doch gleich neben dem Eingang stand eine blaue Kunststoffbox. Diese musste der Grund der nächtlichen Tauchgänge des geheimnisvollen Tauchers gewesen sein. Gemeinsam hoben wir die Kiste an um sie aus dem Raum zu bringen, als eine Lawine mit Steinen, Balken und Eisenträgern auf uns nieder prasselte. Da ich mich näher beim Eingang befand, konnte ich mich gerade noch aus dem Eingang stossen, doch Peter wurde vom Schrott erfasst und verschüttet Die Sicht war nun gleich Null und ich tastete mich wieder in den Raum zurück. Ich bekam Peters Arm zu fassen und er gab mir Zeichen dass er soweit OK sei doch sein Bein unter einem Eisenträger eingeklemmt hatte. Gleichzeitig hörte ich das Piepsen der Tauchcomputer. Wir waren in die Dekozeit geraten und nun wurde es aber knapp. Ich fand ausserhalb des Gebäudes eine massive Eisenstange und konnte damit den Stahlträger mit der Betonplatte anheben, so dass Peter sein eingeklemmtes Bein befreien konnte. schleunigst packten wir die Box und begannen den kontrollierten Aufstieg.
Wertvolles Fundstück
Im Polizeilabor wurde die Kiste geöffnet und wir waren gespannt auf deren Innhalt. Sie enthielt zwölf, gut in Kunststofffolie verschweisste Plastikbeutel, in der Grösse eines Schuhkartons. Mit neugierigen Blicken verfolgten wir das Aufschneiden eines der Pakete und zum Vorschein kamen mehrere Bündel 100-Euro Noten. Nun stand fest, wir hatten wertvolles Diebesgut geborgen. Das anheben der Box löste einen Mechanismus aus, der den Einsturz einer absichtlich aufgebauten Schrottfalle zur Folge hatte und beinahe Peters Leben kostete.
Die Festnahme
Wieder war ein Lichteschein im See zu erkennen und auf das Kommando „Eingriff“ glitten die sechs Polizeigrenadiere aus ihren verstecken heraus, lautlos in die Fluten. Kurze zeit später brachte die Einheit den tauchenden Gauner zur Wasseroberfläche und die Kripo verhaftete ihn auf der Stelle. Es handelte sich um den vorbestraften Frank Wolfe, der in Kassel auf die Sparkasse einen bewaffneten Raubüberfall verübte und den Kassier der Bank lebensgefährlich angeschossen hatte. Es gelang ihm mit der Beute von 120'000 .- Euro unerkannt zu entkommen. Sein aussergewöhnliches Versteck für seine Beute hatte ihn verraten. Nun hatte sich Frank Wolfe für den Bankraub und zusätzlich für zwei vorsätzliche Tötungsversuche am Kassier und an Peter zu verantworten.
