Publikation
Nachttauchen Energiespender für Körper und Geist !
Der Alltag wird immer konzentrierter und hektischer. Körper und Geist brauchen vermehrt Erholung. In dieser Hinsicht haben die Taucher grosses Glück gegenüber deren Mitmenschen, welche ihre Regenerierungsphase anderswo suchen müssen. Die Unterwasserwelt wirkt auf den Organismus wie ein Stärkungsmittel.
Die ganze Last des Alltags drückt auf den Menschen gleichermassen wie das Gewicht der schweren Taucherausrüstung, welches die Taucher vor dem Einstieg ins Wasser mit sich tragen müssen. Die Abenddämmerung verleiht dem Seeufer ein besonders schöner Reiz und die untergehende Sonne weckt im Körper das Verlangen nach Ruhe und Entspannung.
Der Tauchgang
Zischend entweicht die Luft aus den Tarrierwesten und die Taucher durchbrechen den Bann des ihnen so gewohnten Lebens. Sie dringen ein in eine total andere Welt. In eine Welt voller Anmut und Schönheit, Ruhe und Harmonie. Schon die ersten Atemzüge unter der Wasseroberfläche geben ihnen zu spüren, dass sie, in einer, ihnen nicht gewohnten Umgebung sind. Der stärker werdende Druck, die Abkühlung des Wassers und die erschwerten Sichtverhältnisse erzeugen ein kurzes Unbehagen und im Körper macht sich für einen Moment erneut Stress bemerkbar. Mit dem Druckausgleich und dem richtigen Austarrieren kommt die Sicherheit und das Vertrauen aber schnell wieder zurück und mit dem allmählichen Anklimatisieren an die Wassertemperatur fühlen sich die Aquanauten immer wohler. Im leicht milchigen Schein der Tauchlampen verschaffen sich die Nachttaucher die nötige Orientierung und nach einem erneuten Partnercheck beginnt der Tauchgang. Langsam und ruhig gleiten die Körper über dem felsigen Untergrund in die Tiefe. Ein Schwarm neugieriger Egli begleiten sie Seite an Seite und begutachten die Taucher ohne grosse Scheu. Im fahlen Lampenlicht kommt die Streifenfärbung und der Glanz des Schuppenkleides besonders schön zur Geltung. Ein scheues Hasli durchstösst schnell die Harmonie des Schwarmes und lässt seine silberne Körperseite wie ein Blitzlicht reflektieren. Die momentane Tauchtiefe liegt bei 22 m. Hier verliert sich der felsige Abhang im sedimentüberstreuten, leicht abfallenden Seegrund. Vor den Tauchern schlängelt eine Trüsche elegant über den Seeboden, welcher einer frischverschneiten Winterlandschaft gleicht. Behutsam tastet sich der Lichtkegel über die verträumte Szenerie und verliert seine Leuchtkraft im undurchdringlichen Dunkel des Tiefenwassers. Jetzt kommen die Taucher in den Genuss der absoluten Ruhe und gerade nur das eigene Ein, - und Ausatmen ist zu hören. Die Pulsfrequenz hat sich reduziert und Körper und Geist befinden sich inmitten der Erholungsphase. Die Blicke verfolgen mit Erwartung den kleinen ausgeleuchteten Winkel, auf Alles was noch zu entdecken ist. Die Gedanken der Taucher vergessen, was über dem Seespiegel gerade noch so wichtig erschien. Jetzt in diesem Moment hat die geistige Entspannung seinen Höhepunkt erreicht. Der Stand des Finimeters ermahnt zum Wenden und die Taucher steigen wieder in Richtung Flachwasser auf. Der Durchstich der Sprungschicht ist merklich zu verspüren und das leichte Frösteln im Tiefenwasser verwandelt sich in ein kuscheliges Wohlbehagen. Das Taucherteam erreicht den unteren Rand einer Seegraswiese, wo sich unzählige Kaulbarsche zwischen Schleieralgen und den langen Ranken der Algenpest tummeln. Jetzt beginnt der Entdeckungsdrang und die Taucher gleiten sanft durch die natürlichen Lücken, Schneisen und Tunnel des grünen Pflanzentschungels. Mit ganz sachten Flossenbewegungen schieben sich die Froschmenschen durch das Flachwasser. Im Gewirr der Wasserpflanzen schimmert ihnen, aus weiter Entfernung, ein heller, horizontaler Streifen entgegen. Es ist die Körperunterseite eines grossen Hechtweibchens, welches auf der Lauer nach Beute, gut getarnt, hinter einem Büschel Schlingpflanzen steht. Regungslos und ohne auszuatmen lassen sich die Entdecker an das kapitale Tier herantreiben und bleiben auf sicherer Distanz ruhig im Wasser verharrt, um das schöne Wesen zu beobachten. Die Hechtdame hat die Taucher längst schon bemerkt, lässt sich jedoch durch ihre Anwesenheit nicht aus der Ruhe bringen und konzentriert sich weiter auf ihren Beutefang. Die Nachttaucher drehen ab und treffen landeinwärts auf zwei schöne goldgeschuppte Schleien, deren Augen im Licht der Tauchlampen, in orangem Glanz aufleuchten. Eine Lichtung aus Sand, Kieselsteinen und kleineren Felsbrocken wird zum Erlebnisplatz der Taucher. Kurzes, hektisches Treiben, hat die Seeruhe für einen Moment unterbrochen. Vom Lichterschein der Tauchlampen aufgeschreckt, flüchten kleine Weissfische und Egli, in wildem Durcheinander in Sicherheit. Hier hat sich eine Kolonie Amerikanerkrebse angesiedelt, welche aufgeregt ihre Scheren zur Abwehr, den feindlichen Wesen entgegen richten. Ihr orange – bis rotfarbener Chitinpanzer erinnert an Hummer, wie sie auf kalten Buffets serviert werden. Erstaunlich ist immer wieder ihre Fortbewegungsart, welche sie rückwärts, in unglaublicher Geschwindigkeit aus der vermeidlichen Gefahrenzone katapultiert. Allmählich beruhigen sich die Wassertiere wieder und wenden sich ihrem eigentlichen Vorhaben, der Nahrungssuche zu. Die Taucher sind nun nahezu eine Stunde unterwegs und ihre Körpermuskulatur hat sich in dieser Zeit durch die Schwerelosigkeit im hydrostatischen Zustand, total entspannt. Die kalte Wassertemperatur macht sich nun trotz der guten Neoprenanzüge doch bemerkbar und somit neigt sich der Realaxtauchgang seinem Ende zu. Die Nachttaucher nähern sich dem Einstiegsort und bemerken unter einem Teppich von Schleimalgen, welche sich in der leichten Dünung rythmisch hin und her bewegen, ein kurzes, aber heftiges Zappeln. Ein grosser Aal hat sich hier verschloffen und ist als nachtaktiver Fisch ebenfalls auf der Jagt nach Beute unterwegs. Der bekannte Wurzelstock zeigt den Standort der Tauchflagge über der Wasseroberfläche an.
Ein Druck auf den Inflator und die Alltagswelt hat die beiden Taucher wieder.
Zufrieden und entspannt
Die Taucher sind zwar nass und durchgekühlt, jedoch aufgetankt mit einer wunderbaren inneren Ruhe. In warme Kleidung gepackt wird bei einem heissen Getränk das Logbuch ausgefüllt und alles Erlebte nochmals mit dem Tauchpartner repetiert. Die beiden geraten geradezu ins Schwärmen und ihr Ausdruck zeigt, dass sie total zufrieden sind. Die Körperfunktion wurde trotz minimaler Anstrengung, zur Höchstleistung getrieben, um den nötigen Wärmehaushalt herzustellen.
Mit einem wohltuenden Gefühl der Erleichterung spüren die Taucher, dass Körper und Geist wieder aufgetankt sind und die nötigen Ruhe und Kraft für bevorstehende hektische Tage vorhanden ist.
Nachttauchen ist mit Sicherheit ein Energiespender für Körper und Geist!
Richtlinien und Tips für das Nachttauchen
Nachttauchgänge zählen wohl zu den schönsten Erlebnissen im Tauchsport. Ob im Süss, - oder im Salzwasser, sind bei Nacht alle tagscheuen Tiere aktiv und können daher bestens beobachtet werden. Damit diese schönen Eindrücke gefahrlos erlebt werden können, sollten die Taucher gewisse Richtlinien befolgen.
· Nachttauchen bedingt das Mitführen einer guten Tauchlampe, sowie einer kleinen zweiten Notlampe für jeden Taucher.
· Das Tauchgebiet sollte vor dem Nachttauchgang schon einmal bei Tageslicht ausgekundschaftet worden sein, somit werden Orientierungsschwierigkeiten auf ein Minimum reduziert.
· Ein gutes Breafing und gegenseitige Absprache mit dem Tauchpartner, sind die Voraussetzungen für einen gelungenen Nachttauchgang.
· Der Tiefenbereich sollte 20 m nicht überschreiten.
· Die Tauchpartner sollten sich auf keinen Fall um mehr als eine Armlänge voneinander trennen, zu schnell geht der Sichtkontakt bei Nacht verloren und verunmöglichen somit das rasche Handeln in einem Notfall.
· Die Verständigung unter Wasser sollte mittels der gleichen Zeichen, wie bei Tage ausgeführt - und steht’s im Schein der Lampe angezeigt werden werden.
· Die Ausrüstung ist vor dem Tauchgang, - und unmittelbar nach dem Eintauchen, mittels Partnercheck zu kontrollieren. Jedes Missgeschick ist beim Nachttauchen um ein vielfaches schwieriger zu beheben, als bei Tage.
· Der Einstieg ist auch bei Nacht, mit der Tauchflagge, gut zu sichern uns sollte mit einer Lichtquelle beleuchtet werden. Dies wiederum dient auch zur Orientierung und dem sicheren Zurückfinden an den Einstiegsort.
· Markante Merkmale wie: Felsen, - Baumstämme, - etc. dienen als Orientierungshilfen und sollten trotz des Mitführen eines Kompasses nicht ausser Acht gelassen werden.
· Vorsichtiges und ruhiges Tauchen sind unbedingt angebracht. Die tagaktiven Tiere befinden sich in der wohlverdienten Ruhephase oder am schlafen und möchten dabei ebenso wenig gestört werden, wie wir Menschen.
· Ordentliches und ruhiges Verhalten beim Ausrüsten am Tauchplatz, sind Selbstverständlichkeit. Nicht jeder Seeanwohner hat das nötige Verständnis für die Leidenschaft der Nachttaucher.
Wichtig:
· Nachts kann, bei einem Notfall, mit der Mithilfe von Passanten, nicht gerechnet werden, also ist es um so wichtiger, vor dem Tauchen, alle wichtigen Hilfeanlaufstellen wie: Telefon, Anwohner, Zufahrt, genaue Ortsbezeichnung etc. abzuklären.
· Das Nachttauchen sollte nur von erfahrenen Tauchern ausgeübt werden.
· An allen Tauchschulen werden regelmässig Kurse „ Nachttauchen „ angeboten, welche nach Absolvierung im Logbuch eingetragen werden.
Robi Wyss
