Faszinierendes über die Baumeister der Riffe
Aktueller Bericht aus der Taucher Revue
Naturwunder Koralle
Was macht das Tauchen in den Weltmeeren so reizvoll?
Die Stille der Tiefe, das schwerelose Schweben im Element Wasser und vor allem das bunte Treiben an den Riffen der Meere sind dafür verantwortlich. Doch das Abenteuer Tauchen, wäre kaum so packend, wenn nicht die Erbauer dieser einzigartigen Lebensräume existieren würden.
Ein üppiges Korallenriff kann nur entstehen, wenn genügend Sonnenlicht und sauerstoffreiches Wasser vorhanden ist.
Emsige Baumeister
Es sind die Korallen, welche als Architekten und gleichzeitig als Bauarbeiter die gewaltigen Riffe unserer Ozeane entstehen lassen. Kleinste Lebewesen, welche unaufhörlich, über Millionen von Jahren hinweg, riesige Monumente errichten. Diese Gebilde werden zu Bollwerken, welche die Küsten vor den stürmischen Wellen schützen, die sonst ungehindert, ganze Ländereien zerstören könnten. Gleichzeitig sind diese Komplexe auch Behausung und Zufluchtsstädte für unzählige Lebewesen des Wassers. Die filigranen Schönheiten verzaubern den Untergrund mit skurrilen Formen und Farben zu einem Wunder der Natur.
Vielseitiger Korallenbewuchs bietet einer Unzahl von Lebewesen Nahrung und Unterschlupf zugleich.
Was sind Korallen?
Korallen sind Kolonien von unzähligen, einzelnen Lebewesen. Diese nennt man Polypen. Es sind röhrenartige, mit kleinen Fangarmen (Tentakeln) besetzte so genannte Blumentiere. Sie haben eine mundähnliche Öffnung, welche in einen Verdauungstrakt führt. Diese einzigartigen Lebewesen haften mit ihrer Fussscheibe auf festem Untergrund. Alle Korallen sind Nesseltiere und ernähren sich durch das Einfangen und Verzehren von kleinsten Planktonorganismen. Es gibt mehrere Arten von Polypen: unter anderem Steinkorallen, Weichkorallen, Gorgonien oder Hornkorallen.
Eine wahre Augenweide sind die bunten Weichkorallen und lassen das Riff in gewaltigem Farbenreigen erblühen.
Erstaunliche Ernährung
Die Korallenpolypen besitzen einen Kranz von Fangarmen (Steinkorallen deren sechs oder ein Vielfaches von sechs, Weichkorallen deren acht oder mehr) welche sie zur Ergreifung der Beute in das strömende Wasser ausstrecken. Diese Fangarme sind mit Nesselkapseln ausgestattet mit denen sie vorbeitreibendes Plankton lähmen. Dieses haftet an den Tentakeln fest und der Polyp führt die gefangene Nahrung in die Mundöffnung in dessen Zentrum. Die Nahrung wird verdaut und der darin enthaltene Kalk, wird am Fusse des Polypen ausgeschieden. Die Weichkorallen bilden lediglich kleine Kalknadeln und bauen diese in ihr Gewebe ein, was sie widerstandsfähiger aber trotzdem beweglich macht. Die Gorgonien bilden auf ähnliche Weise ein fächerartiges Hornskelett. Riffe entstehen also hauptsächlich durch Steinkorallen. Durch sie entstehen die Kalkgerippe, welche wir dann als Korallenstock wahrnehmen. Die meisten Korallenpolypen verstehen es auch, sich als Selbstversorger zu ernähren. Sie lassen in ihrer Haut das Wachstum von Zooxantellen zu. Dies sind einzellige Algen, welche Photosynthese betreiben. Diese wandeln Kohlendioxid und Licht in Zucker um, wovon sich der Polyp ebenfalls ernähren kann.
Die filigranen Fächer der Gorgonien stehen oft am Dropoff in das Strömungsreiche Wasser gerichtet. Hier angeln die Polypen mit ihren kleinen Fangarmen nach vorbeitreibendem Plankton.
Steinkoralle sind zarte Geschöpfe, welche schon bei kleinsten Berührung abrechen können.
Steinkorallen können in skurilsten Formen entstehen und ein jedes dieser Gewächse ist ein Kunstwerk der Natur.
Wachstum
Korallenkolonien wachsen in der Regel sehr langsam. Sie bilden auf ihrem Kalkgerippe weitere Polypen. Dies geschieht durch eine Teilung. Die Mundöffnung wächst in der Mitte zusammen und bildet zwei Öffnungen. Nach und nach teilt sich auch der Tentakelkranz und die Verdoppelung setzt sich nach unten fort. Die Verbreitung der Korallen hängt von den Wassertemperaturen und den Lichtverhältnissen ab. Die meisten Korallen brauchen warmes Wasser (20°-29°) und viel Sonne. Deshalb erstreckt sich ihr Hauptvorkommen auf den Bereich zwischen dem 30° Breitengrad Nord und dem 30° Breitengrad Süd. Das Wachstum der Korallen vermindert sich also mit der Tiefe des Wassers. Steinkorallen bilden die unterschiedlichsten Formen. Sie können Pilzen, Tischen, Ohren, Kugeln, Geweihen, Fächern, Bäumen oder gar Gehirnen ähnlich sehen.
Hirnkorallen können bis zu einen Durchmesser von über 2 Meter heranwachsen. Sie gehören zu den robusten Korallen und sind auch vor Stürmen kaum zu zerstören.
Fortpflanzung
Für den Erhalt ihrer Art sorgen die Korallen durch das Ablaichen von Eiern und Spermien. Je nach Art können diese Lebewesen ihre Fortpflanzung als Zwitter oder aber auch getrennt geschlechtlich vornehmen. Die Fortpflanzung wird durch die Mondphasen gelenkt. Oftmals bei Vollmond geben die Korallen gleichzeitig ihre Eier und Spermien ins Wasser ab. Diese treiben mit der sanften Strömung durcheinander und so findet eine Befruchtung statt. Die befruchteten Eier treiben dann mit den Strömungen durch die Ozeane. Aus den befruchteten Eiern entwickeln sich Larven und diese treiben dann im freien Wasser. Nach einigen Wochen sinken sie zum Grund und setzen sich auf einer geeigneten Unterlage an, um sich neu anzusiedeln. Aus der Larve entsteht ein Polyp, welcher sich dann wiederum durch Teilung zu einer Kolonie oder eben zu einem Korallenstock entwickelt.
Gerade bei den roten Gorgonien lassen sich die kleinen Polypen gut erkennen.
Bedrohung der Korallen
Ein natürlicher Feind der Korallen sind die Dornenkronen, ein Seestern, welcher seinen Magen über einen Korallenstock stülpen kann und diesem innert kurzer Zeit alle Poypen durch Verdauung abweidet. Zurück bleibt lediglich das weisse Kalkgerippe (die zentrale Säule nennt sich Columella). Es gibt aber auch viele Fische, welche sich an den Polypen der Korallenstöcke gütlich tun. Ganz oben auf der Liste stehen die Papageienfische, welche mit ihrem harten Schnabel ganze Korallenäste abknabbern. Das Gewebe der Polypen wird verdaut und der weisse Korallenkalk wird durch Kiemen und Darm ausgeschieden. So entsteht zur Freude der Badegäste ein grosser Teil des so bevorzugten weissen Sandstrandes. Es sind aber auch die Falterfische, Schnecken und Würmer, welche die die Polypen nicht verschmähen. Korallen haben jedoch auch Freunde. Viele Fische und Krebse, welche in den Verästelungen der Korallen zu Hause sind und darin Schutz finden, verteidigen mutig ihren Wirt und scheuen nicht davor zurück, auch grössere Räuber durch mutige Attacken in die Flucht zu jagen. Eine Bedrohung ist hingegen durch den Menschen allgegenwärtig. Es sind dies vor allem die Verschmutzung der Meere und der Badetourismus, welche den Riffen arg zusetzen. Das schlimmste Übel ist jedoch die globale Erwärmung der Erdatmosphäre. Sie bewirkt, dass sich das Oberflächenwasser zu stark erwärmt und die Polypen unter diesem Stress ihre Zooxantellen abstossen, somit buchstäblich verhungern und dann absterben. Zurück bleibt dann nur noch das weisse Kalkgerippe, was als Korallenbleiche bezeichnet wird.
Ein vielseitiges Korallenriff ist ein Eldorado für findige Beobachter, welch es auch auf Kleinstlebewesen abgesehen haben.
Eine Tischkoralle mit fantastischem Bewuchs weiterer verschiedenen Korallenarten.
Massnahmen zum Schutz der Korallen
Es wird weltweit bereits viel zum Schutz der Korallen unternommen. Viele gute Institutionen und Umweltorganisationen versuchen mit allen Mitteln, der Zerstörung dieses einzigartigen Lebensraumes entgegen zu wirken. Doch leider genügen diese Aktivitäten bei weitem nicht, um den schleichenden Tod der Riffe aufzuhalten. Der Apell geht an jeden einzelnen von uns, Eigenverantwortung zu übernehmen und sein Bestes zu tun, um die Korallen noch möglichst lange am Leben zu erhalten. Ein kostenloser Beitritt zur El Quseir-Charta ist deshalb bestens zu empfehlen.
Die Pilzkoralle ist die einzige Koralle, welch nicht sesshaft ist, das heisst, sie kann ihren Standort selbständig wechseln.
An diesem Stock sieht der Betrachter eindrücklich wie die Äste der Korallen als zufluchtsort der kleinen Fische dienen.
Kein Künstler auf Erden könnte ein solches Kunstwerk in seiner Art erschaffen.
Spannendes Naturwunder
Gewiss könnte man über diese einzigartigen Lebewesen noch eine ganze Menge mehr schreiben, doch dazu ist in der taucher revue zu wenig Platz. Wer sich jedoch von diesem kurzen Bericht hat inspirieren lassen, dem sei empfohlen, sich durch Fachbücher und über das Internet weiter mit dem Thema zu beschäftigen. Es ist wirklich spannend, noch mehr über die fantastische Korallenwelt zu erfahren.
Leuchtende Farben werden durch die Weichkorallen in die Rifflandschaft gezaubert.
Der gestreifte Büschelbarsch wird Korallenwächter genannt, weil er sich mit Vorliebe auf erhöhte Korallenäste absetzt und von da aus seine Umgebung beobachtet.
Aufbau eines Korallenpolypen
